12 Tipps zum Vorlesen

12 Tipps zum Vorlesen

Gutes Vorlesen leicht gemacht

Es gibt kein Kind, dass Geschichten und Erzählungen nicht liebt. Wenn Oma beim Familienausflug eine Geschichte aus Mamas oder Papas Kindheit erzählt, wenn Papa wieder einmal eine Geschichte bei der Autofahrt in den Urlaub erfindet oder wenn Mama ein Erlebnis erzählt – Kinder sind fasziniert vom Gehörten und stellen sich die Geschichten vor ihrem inneren Auge im Kopfkino noch einmal vor und erleben die erzählten Geschichten selbst.

Geschichten und Erzählungen finden immer Zwischendurch statt und meist neben einer anderen Tätigkeit. Vorlesen ist deshalb zu Beginn oft etwas schwierig, weil die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder noch nicht sehr lange ist und auch Kinder das Vorlesen lassen erst üben müssen.
Um dir das Vorlesen leicht zu machen haben wir die 12 besten und hilfreichsten Tipps zusammengefasst und in Kapitel unterteilt. Damit zeigen wir dir gerne wie die Vorlesezeit mit deinen Kindern für alle zu einem Erlebnis wird.

Entspanntes Vorlesen

1. Ruhige Atmosphäre

Achte bei Vorlesen auf eine ruhige Atmosphäre. Die kleinen Zuhörer wollen sich auf die vorgelesene Geschichte und ihr inneren Bilder konzentrieren. Gut geeignete Plätze sind gemütliche Sofas, das Kinderbett für Gute-Nacht-Geschichten, die bequeme Gartenbank oder weitere Orte an denen man sich aneinander kuscheln kann.
Wichtig dabei ist, dass nebenher keine lauten ständigen Geräusche hörbar sind. Versuche besonders diese Ablenkungen zu vermeiden:

  • Lautes Musik- oder Radioprogramm
  • Sichtbares Toben der Nachbarskinder im Garten oder Hof
  • Eine hörbar wildgewordene Rasselbande
  • Ein laufender Fernseher

2. Der richtige Moment

Kinder brauchen einen festen Tagesablauf und Routine. Rituale und Routine beim Aufwachen, Frühstücken, Schule/Kindergarten, Mittagessen, Nachtmahl und Einschlafen helfen Kindern von Klein auf sich zurechtzufinden.
Am Besten ist daher auch jeden Tag um dieselbe Zeit vorzulesen. Die klassische Gute-Nacht-Geschichte ist dafür sehr gut geeignet. Es gibt keine störenden Geräusche mehr und mit etwas Müdigkeit ist das Aneinander kuscheln und Fantasieren am Schönsten. Das Vorlesen kann dabei in das Abendritual eingebaut werden.
Kinder die schon ans Vorlesen gewöhnt sind, freuen sich auch über spontane „Vorlesestunden“ zwischendurch. Genieße dabei die Extra-Zeit und Aufmerksamkeit, die du von deinen Kindern bekommst.

3. Freie vs. gemeinsame Wahl des „Lesestoffs“

Entscheide gemeinsam mit deinem Kind welches Buch vorgelesen werden soll. Sobald Kinder deuten können, können die kleinen Zuhörer auch schon selbst auswählen welches Buch sie gerne hören wollen. Wenn du allerdings schon zum vierten Mal das gleiche Buch hintereinander vorliest, darfst du natürlich ein Veto einlegen und ein anderes Buch auswählen.
Kinder merken beim Vorlesen auch, ob dem Vorleser das Buch gefällt. Als Elternteil kannst du schon im Buchgeschäft oder der Bibliothek mitbestimmen, welches Buch mit nach Hause kommt. Es hat gar keinen Sinn ein Buch mit nach Hause zu nehmen das dir selbst unsympathisch ist. Wenn dich selbst das Kinderbuch nicht interessiert, wird dein Kind auch keine Freude beim Zuhören haben.

4. Interessen der Kinder beachten

In Büchereien haben Kinder selbst Zugang zu Kinderbüchern in ihrer eigenen Reichweite in den unteren Bücherregalen. Kinder greifen hier zu den unterschiedlichsten Büchern und zeigen viele verschiedene Interessen. Nicht jedes Kind mag Prinzessinnengeschichten oder auch erfundene Geschichten. Es kann sogar schon ein erstes Sachbuch sein, das die kindliche Neugier befriedigt. Wenn dargestellt wird, wie ein Auto funktioniert oder wie ein Vulkan ausbricht oder wie der menschliche Körper funktioniert.
Andere Kinder wiederum lieben lange Text mit richtigen Geschichten. Du merkst schnell, was dein Kind liebt und kannst deinem Kind dann auch bei der Wahl der Bücher helfen und sogar weitere Bücher empfehlen.
Kinder merken, dass du sie Ernst nimmst und auf ihre Bedürfnisse eingehst und werden die gemeinsamen Lesestunden noch mehr lieben.

Spaß und Spannung beim Vorlesen

5. Vorlesen mit vollem Einsatz

Ist die Wahl des „Lesestoffs“ getroffen sind Gestik und Mimik beim Erzählen die besten Mittel um vor allem bei kleinen Kindern die Konzentrationsspanne aufrecht zu erhalten und die Kinder zum zuhören zu motivieren.
Dabei kannst du ganz aus dir herauskommen. Liest du Emotionen wie Wut, Trauer, Freude, Überraschung oder Liebe vor kannst du diese mit Körperhaltung und Gesichtsausdruck noch lebendiger gestalten.
Kinder finden deine Grimassen überhaupt nicht peinlich, sondern finden es spannend, wenn Papa und Mama noch darstellen, was sie gerade vorlesen.

6. Vorlesen mit Ausdruck

Zusätzlich zu Körperhaltung und Gesichtsausdruck nutze deine Stimme. Verstelle sie bei verschiedenen Charakteren. Einmal hoch gesunden, danach Tief gemurmelt, dann wieder näselnd gesprochen – die Stimme ist dein einfachstes Instrument um Spannung in die vorgelesene Geschichte zu bringen.
Mit Geschwindigkeit und Lautstärke kann man Charaktere und Emotionen noch besser darstellen.

  • Ein hektischer Spatz redet schnell und laut
  • Ein gelassener Panther wird tief und langsam vorgelesen
  • Ein verliebtes Mädchen säufzt verträumt und langsam
  • Ein ängstlicher Teddybär spricht sehr leise und piepsig
  • Ein mutiger Pilot wiederum hat eine tiefe und laute Stimme

Durch deine Variationen der Stimme werden die Figuren im Vorlese-Buch erst so richtig lebendig.

7. Vorlesen mit Interaktion

Die Redewendung „Kinder fragen Löcher in den Bauch“ macht auch keinen Halt vor „Lesestunden“. Und das ist gut so! Kinder wollen die Welt begreifen und verstehen. Und Vorlesen bedeutet nicht einfach nur stur den Text herunterzuleiern. Durch deine Erzählung machst du die Geschichte für die Kinder spannend. Zwischendurch dürfen Kinder aber auch noch Fragen, um die ganze Erzählung zu verstehen. Fragen ist nicht nur erlaubt – Fragen ist sogar erwünscht!
Wenn Kinder auch noch selbst erzählen, ihre eigenen Gedanken äußern und du zuhörst, weißt du mit welchen Interessen sich dein Kind momentan beschäftigt. Beim Vorlesen verbindet dein Kind eigene Erlebnisse mit Erzählungen und vor allem bei kleinen Kindern kannst du selbst beobachten, mit welchen Fortschritten dein Kind die Welt verstehen lernt.
Bei älteren Kindern kannst du das aktive Zuhören auch mit eigenen Fragen unterstützen:

  • Was hättest du getan, wenn…?
  • Was soll jetzt passieren?
  • Meinst du, er hätte etwas anders machen sollen…?

Kindliches Vorlese-Erlebnis

8. Selbst erzählen und blättern lassen

Ein Kinderbuch ist ein Kinderbuch und darf auch als solches behandelt werden. Kinder dürfen blättern, fühlen und zeigen. Pass dabei nur auf, dass deine Kinder trotzdem sorgsam mit ihren Büchern umgehen.
Mit altersgerechten Büchern lernen Kinder von dicken Kartonbüchern über dünnere Plastikseiten bis zu dünnen Papierseiten vorsichtig umzublättern, ohne die Bücher dabei zu zerreißen. Sollte doch einmal eine Seite reißen, geht die Welt davon auch nicht unter und dein Kind weiß fürs nächste Mal, dass es nicht so wild umblättern darf.
Es ist auch erstaunlich mit welcher Begeisterung Kinder zuhören und sich kurze Bücher sogar auswendig merken. Obwohl sie noch gar nicht lesen können, erzählen sie eins zu eins nach was Mama und Papa ihnen immer wieder vorlesen.
Genieße es und lass dein Kind ruhig auch einmal dir eine Geschichte vorlesen.

9. Kreatives Geschichten erzählen

Verändere die vorgelesenen Geschichten auch einmal. Stelle den Bezug auf euer gemeinsames Leben her und erzähle es, wenn etwas Ähnliches passiert ist: „Der Bub ist hingefallen. So wie du gestern. Tut dir dein Knie auch noch weh?“
Oder lass die Figuren im Buch mit deinem Kind reden: „Ich fahre jetzt Oma besuchen. Kommst du mit und blätterst um?“
Vor allem bei bereits bekannten Geschichten finden Kinder eine unerwartete Änderung spannend und lieben die Überraschung.

3 Tipps um Kindern auch eigenes Lesen zu ermöglichen

10. Bücherwürmer haben Bücherregale

Jeder Bücherwurm benötigt ein eigenes Bücherregal. Richte deinem Kind in seinem Zimmer ein eigenes Regal ein in dem es seine Bücher sammeln kann. Du kannst dein Kind genau beobachten, wie es vor dem Bücherregal steht und die Bücher begutachtet, bevor es sich eines herauszieht und auch einmal alleine durchblättert.
Nimm dein Kind mit in Büchereien, Buchhandlungen und zu Flohmärkten. Je mehr Bücher zur Auswahl stehen, umso besser ist dann auch die eigene Auswahl im Bücherregal zu Hause.

11. Als gutes Vorbild voran

Du hast sicher schon die Erfahrung gemacht, dass dein Kind deine Gewohnheiten, Bewegungen und Gestiken übernimmt.
Als gutes Vorbild solltest du selbst auch zum Buch greifen. Eltern, die Kinder zum Lesen auffordern und sich dann selbst vor den Fernseher setzen, werden das Gegenteil erreichen. Wenn Kinder sehen, dass Erwachsene gerne lesen, werden sie sich selbst auch gerne Kinderbüchern zuwenden.

12. Lesen niemals als Strafe

Sag niemals „…, sonst musst du ein Buch lesen.“ Nichts mindert die Freude aufs Lesen und Vorlesen mehr als Lesen zu müssen.
Eltern können Lesen sogar als Belohnung einsetzen. „Wenn du dein Zimmer aufgeräumt hast, dann lese ich mit dir dein Lieblingsbuch“

Mit diesen hilfreichen Tipps zum Vorlesen wünschen wir euch viele schöne gemeinsame Lesestunden!

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