Elternratgeber: „Schon wieder hat Max …“ von Natalie Carter

Elternratgeber: „Schon wieder hat Max …“ von Natalie Carter

 „Ein absolutes Muss für Eltern, Lehrkräfte, andere Pädagogen und all jene, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, aber auch für Menschen, die sich einfach nur köstlich amüsieren wollen.

(Dipl.-Päd. Nina Schenk M.A.)

Inhaltsangabe:

Max ist wie viele ADHS-Kinder rhetorisch überaus begabt. Knapp zwölfjährig bekommt er zu Weihnachten ein Tagebuch geschenkt, in dem er sich zu seinem komplizierten Leben als anders tickendes Kind auf überaus unterhaltsame Art und Weise auslässt. Er ist unüberlegt, impulsiv, unkonzentriert, hibbelig, aufgekratzt, planlos, hört nie zu, verliert und vergisst alles, bringt sich und andere ständig in Gefahr – mit einem Wort: er ist mega-anstrengend! Zu Wort kommen im Buch aber auch jene, die von Max’ Andersartigkeit betroffen sind und sich ebenfalls in Form von Tagebucheinträgen ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele schreiben. Während Max also von einem Malheur ins andere stolpert, bieten sich dem Leser immer zwei Perspektiven von ein und derselben Situation: die des an ADHS erkrankten Kindes Max und jene des unter seinem Verhalten Leidenden. ADHS einmal anders: Ein Buch, das dem Leser einen tiefen Einblick in die Seelenwelt der Betroffenen und der „Mitleidenden“ gibt, und somit hilft, beide Seiten besser zu verstehen. Gleichzeitig ist die Geschichte ein echter Angriff auf die Lachmuskeln.

Leseprobe:

Kapitel 7: Im Skiurlaub Teil I –von Lifteinsteig-Dramen und Dauersuchaktionen

2. Februar 2014, Mum

Nach all dem Stress schon bei der Anreise hat Max auch heute wieder den Bock abgeschossen. Was heißt den Bock – es waren gleich mehrere und alle hat er beim Einsteigen in den Lift erlegt. Es ist mir unbegreiflich, wie man allein bei der simplen Handlung des Einsteigens in einen Sessellift so viel falsch machen kann! Noch dazu als super geübter Skifahrer, wie er einer ist. Schon bei der ersten Fahrt ging’s los: Wir stellen uns zu viert bei einem Vierer-Sessellift an, doch als ich mich auf meinen Platz setzen will, ist der schon besetzt: von Max. Heilloses Chaos, panisches Herumrücken, und wenn der Liftwart nicht in letzter Sekunde die Notbremse gezogen hätte, wäre ich vorne über die Holzkante in das Auffangnetz gekippt. Eine Stunde später: nächstes Chaos. Diesmal stehen wir beim Sechser-Sessellift, vor uns fünf Leute, die sich gemeinsam anstellen. Max, der’s wieder einmal nicht erwarten kann, auf den Lift zu kommen, positioniert sich schon mal in dem einen verbleibenden Durchgang, und ehe wir’s uns versehen, steht er mit den fremden Leuten hinter der Absperrung … was ja an und für sich kein Problem wäre, für Max aber, der nicht mal in der U-Bahn neben jemandem Fremden sitzen will, der Super-Gau. „Pech gehabt“, denk’ ich mir, denn ich kann den Lift ohnehin nicht anhalten. Zwei Liftfahrten später nimmt das nächste Einstiegsdrama seinen Lauf: Max steht viel zu weit außen und der Sessel fährt einfach an ihm vorbei. Wieder muss er mit Fremden rauf. Oben nehm’ ich ihn mir dann einmal zur Brust und sage ihm, er muss sich beim Einsteigen mehr konzentrieren, träumen kann er während der Liftfahrt. Dort ist er dann allerdings damit beschäftigt, den Leuten auf der Piste unter ihm irgendwelche Blödsinnigkeiten zuzurufen oder zu testen, ob er mit seiner Spucke den äußersten Zipfel eines Tannenbaums trifft. Nachdem meine Worte offenbar auf fruchtlosen Boden gefallen sind, steht Max bei der nächsten Liftfahrt viel zu weit hinten und der Sessel fährt ihm mit voller Wucht in die Kniekehlen. Das Zurufen des Liftwartes, weiter vor zu fahren – und auch mich – hat er nicht gehört. Sein Tunnelblick hat mir verraten, dass er in Gedanken schon wieder irgendwo im Traumland war. Aber ganz ehrlich: Genau dort war ich auch meistens als Kind. Er erinnert mich immer wieder soooo sehr an meine eigene Kindheit. „Ich wünsch’ dir nichts Schlimmes“, hat meine Mutter mindestens dreimal pro Woche zu mir gesagt, „aber so ein Kind wie dich – damit du mal siehst, was du uns für Prüfungen auferlegst.“ Tja, der Fluch hat sich nun ja voll erfüllt. Danke, Mama!

2. Februar 2014, Max

Uff, was für ein anstrengender Tag. Nein, nicht das Skifahren, Leute, das krieg’ ich, wie gesagt, so geil hin wie kaum ein anderer. Nein, das Liftfahren ist anstrengend, oder besser: das Einsteigen. Ich weiß nicht, wer diese Sessellift-Dinger erfunden hat, aber der Typ hätte lieber Bäcker werden sollen als Liftbauer! Die erste Fehlkonstruktion sind schon mal die einzelnen Plätze. Anstatt die so richtig zu kennzeichnen (am besten wäre es, sie wären nummeriert!), ist ein langer, durchgehender Sitz für alle da. Schon beim Vierer-Sessellift ist das verwirrend und dann erst beim Sechser! Ich hab’ natürlich nicht gecheckt, wo genau mein Platz ist und setzte mich bei der ersten Fahrt deshalb prompt auf den von Mum. Die wäre dann fast im Auffangnetz gelandet. Netterweise hat sie mich nicht vor allen niedergemacht, aber ihr Blick hat mir verraten, dass sie mich am liebsten gepackt und geschüttelt hätte, damit wieder alle Rädchen in meinem Oberstübchen an der richtigen Stelle sitzen. Ein paar Liftfahrten später die nächste Panne: Ich fahr’ mit fünf anderen Leuten durch die Absperrung – wofür ich zugegebenermaßen nicht den Liftkonstrukteur verantwortlichmachen kann, aber meine Mum: Die hätte mich ja festhalten können! Sooo peinlich, ich hasse es, wenn ein Fremder neben mir sitzt, und dann gleich links und rechts jemand, den ich nicht kenne. Naja, nach acht Minuten war die Qual vorbei – so dachte ich zumindest. Denn schon bei der übernächsten Fahrt stand ich viel zu weit außen, der blöde Sessel zischte an mir vorbei und wieder musste ich mit Fremden rauf! Diesmal allerdings hat der Liftkonstrukteur wieder den Schwarzen Peter, denn dann darf beim Einsteigen eben nur genau so viel Platz sein, wie der Sessel breit ist! Und auch die letzte Einstiegspanne geht auf seine Kappe, denn ein paar Fahrten später stand ich viel zu weit hinten und morgen haben meine Kniekehlen wahrscheinlich die Farbe reifer Pflaumen, weil mir der Sessel hinten voll reingeknallt ist. Können die nicht irgendeine Art Haltelinie in den Schnee malen? Nein, nein, nein, Leute, die Rechtfertigung, dass all die anderen Skifahrer so eine Linie auch nicht brauchen, lass’ ich nicht gelten. Voriges Jahr musste auch einmal der Lift abgestellt werden, weil jemand zu weit hinten gestanden ist … Okay, der war zwar gerade mal vier Jahre alt, aber trotzdem – ich bin kein Einzelfall!! Wenigstens gab’s für den Rest des Tages keine Probleme mehr, außer dass Dad und Smartie immer ewig zum Anstellen brauchen und Mum und ich dann vorne an der Einstiegsstelle reihenweise Leute vorlassen müssen. Nur weil diese beiden Hochzeitsschauer, wie Opa immer sagt, auf dem Weg nach vorne endlos quasseln und sich noch dazu über so unwichtige Dinge wie ihre Bestellung beim bevorstehenden Mittagessen unterhalten. Oder sie diskutieren darüber, welche Abfahrt wir als nächstes nehmen sollen. Am liebsten würde ich ihnen von vorne zurufen: „Wenn ihr weiter so viel labert, gar keine, denn dann sperrt der Lift zu, bevor ihr die Einstiegstelle erreicht habt und ihr müsst verkehrt durch die Absperrung wieder raus!“ Und für mich immer irgendwelche netten Bezeichnungen, die mit „Zeitlupen-…“ beginnen, parat haben. Selber Zeitlupe – und das ist noch nett, denn das Tempo von Smartie und Dad beim Anstellen gleicht eher einem Standbild!

Details zum Buch:

Titel:Schon wieder hat Max …
Autor:Natalie Carter
Verlag:Verlag Ferdinand Berger
Sprache:Deutsch
ISBN:978-3-85028-661-9
Kategorie:Ratgeber
Preis:€ 20,50 (Taschenbuch)

 

 

 

 

 

 

„Schon wieder hat Max …“ – Kaufen:

Schon wieder hat Max ...: Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen

by Natalie Carter [Berger & Söhne, Ferdinand]
Rank/Rating: 1038812/-
Price: -

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