Ertrinken sieht nicht wie Ertrinken aus

Ertrinken sieht nicht wie Ertrinken aus

Am Neusiedlersee. Der neue Bademeister sprang von der Plattform, vollständig angezogen, und rannte durchs Wasser. Als ehemaliger Personenschützer richtete er seine Augen auf das Opfer, als er direkt auf das Paar zusteuerte, das zwischen verankertem Segelboot  und Strand im Wasser schwamm.

„Ich glaube, er denkt, dass du ertrinkst“ sagte der Mann zu seiner Frau. Sie hatten sich gegenseitig angespritzt und dabei laut geschrien, aber jetzt standen sie nur bis zum Hals im Wasser am weichen Boden.

„Uns geht es gut. Was macht er?“ fragte sie ein wenig verärgert. „Uns geht es gut“ schrie der Mann und winkte ihn weg. Aber der Bademeister rannte und schwamm so schneller konnte weiter.

Er schwamm zwischen den verblüfften Bootsbesitzern durch. Kaum zehn Meter entfernt ertrank ihre neunjährige Tochter. In Sicherheit über der Wasseroberfläche in den Armen des Bademeisters brach sie in Tränen aus: „Papa!“

Ertrinken ist trügerisch

Ertrinken ist gleich nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache bei Kindern.

Aber wie konnte der Bademeister aus fünfzig Meter Entfernung sehen, was die Eltern aus zehn Metern nicht erkannt haben?

Ertrinken ist nicht das brutale Spritzen und um Hilfe rufen, das die meisten Leute kennen. Der Bademeister wurde auf Anzeichen für Ertrinken von Experten geschult. Die Eltern hingegen haben durch Film und Fernsehen gelernt wie Ertrinken aussehen soll.

Bis das Mädchen laut „Papa!“ schrie hatte sie keinen einzigen Ton von sich gegeben. Ertrinken ist immer trügerisch ruhig. Alles dramatische haben die Filmemacher dazu gedichtet und wird nur sehr selten in der Realität gesehen.

Ertrinken sieht nicht wie Ertrinken aus

Im amerikanischen Magazin „On Scene Magazine: Fall 2006“ beschreibt Dr.Francesco A. Pia die instiktiven Abwehrreaktion des Körpers auf Ertrinken:

Ertrinkende Personen sind nicht in der Lage zu schreien. Unser Körper wurde für die Atmung entwickelt. Sprache ist erst die sekundäre oder überlagerte Funktion. Unser Körper muss also zuerst atmen können, bevor wir laut schreien können.

Bei ertrinkenden Personen ist der Mund abwechselnd über und unter Wasser. Die Zeit zum ausatmen, einatmen und dann noch schreien reicht nicht aus um um Hilfe zu rufen, bevor der Mund wieder unter Wasser ist.

Ertrinkende Personen können nicht um Hilfe winken. Instinktiv strecken sie ihre Arme und nutzen sie um ihren Gesucht über die Wasseroberfläche zu bringen.

Während der gesamten Dauer können ertrinkende Personen ihre Armbewegungen nicht kontrollieren. Während sie damit zu kämpfen haben über der Wasseroberfläche zu bleiben, können sie keine willkürliche Bewegungen, wie um Hilfe winken oder nach einem Rettungsgerät greifen, ausführen.

Von Anfang bis Ende der instinktiven Abwehrreaktion bleiben die Körper ohne Anzeichen von spritzendem Wasser aufrecht im Wasser. Ohne ausgebildete Rettungsschwimmer können diese Personen nur etwa 20 bis 60 Sekunden an der Oberfläche bleiben, bevor sie untergehen.

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Das heißt aber nicht, dass Personen, die um Hilfe ruft und um sich schlagen nicht auch in Schwierigkeiten sind – diese Personen können Krämpfe durch kaltes Wasser oder zu langes Schwimmen  bekommen oder Beklemmung im Wasser spüren.

Diese Personen können sich zwar noch selbst retten, indem sie nach Rettungsringen, Rettungsleinen oder ähnlichem greifen. Fremde Hilfe brauchen sie aber trotzdem auf jeden Fall!

Anzeichen für Ertrinken

  • Kopf tief im Wasser, Mund auf Wasserhöhe
  • Kopf nach hinten gedreht mit offenem Mund
  • Die Augen sind glasig und leer und können nicht fokussieren
  • Haare sind vor Gesicht und Augen
  • Die Beine sind gerade nach unten gestreckt und werden nicht bewegt
  • Hyperventilation, schnauben oder keuchen
  • Der Versuch in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, ohne Vorwärts zu kommen
  • Versuch sich auf den Rücken zu drehen
  • Schaut aus, als würde eine unsichtbare Leiter hochgeklettert werden.

Ertrinken kann wie eines dieser Anzeichen aussehen. Um ganz sicher zu gehen und wenn die Person in Rufweite ist einfach nachfragen: „Ist alles in Ordnung?“ – wenn die Person im Wasser antworten kann ist sie es auch. Wenn keine Antwort kommt, hol sie lieber rasch aus dem Wasser.

Ertrinken bei Kindern

Kinder unter sechs Jahren haben einen verhältnismäßig schweren Kopf und ihre noch ungeübte Muskulatur kann den Kopf nicht eigenständig aus dem Wasser heben. So verfallen sie in eine Starre mit Atemsperre. Noch dazu haben Kinder in diesem Alter meist noch keine Schwimmerfahrung. Und sogar schon 20cm Wassertiefe können trotz Schwimmhilfen tödlich sein.

Wenn Kinder im Wasser spielen, machen sie immer Geräusche. Wenn es leise im Pool oder Badeteich wird, am Besten sofort nachschauen gehen, warum das so ist.

Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

  1. Kinder sollten immer in maximal einer Armlänge erreichbar sein
  2. Beide Augen sind jederzeit sichtbar
  3. Immer mit den Kindern im Wasser bleiben
  4. Du selbst bist die erste Sicherheit für dein Kind
  5. Dein Kind sollte immer geprüfte Schwimmhilfen tragen (Badetiere sind keine Schwimmhilfe!)
  6. Pool im Garten absichern

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