Warum „freies Spielen“ für Kinder wichtig ist

Warum „freies Spielen“ für Kinder wichtig ist

Kein Elternteil muss daran erinnert werden, dass Spielen für Kinder wichtig ist, sie sogar spielen „müssen“. Aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass nicht jede Art des Spielens den gleichen Wert hat. Es gibt freies Spielen (oder Freispiel), angeleitetes Spiel und eine Art von Spiel, das im Rahmen gezielter Beschäftigung stattfindet, aber wenig mit freiem Spiel zu tun hat.

Grundsätzlich ist das Kind beim freien Spielen in der Gestaltung seiner Beschäftigung unabhängiger als wenn von Eltern oder ErzieherInnen Angebote gemacht werden.

Eine Definition von „Freispiel“

Zwei der renommiertesten Größen im Bereich des Spielens sind Jeffrey Trawick-Smith und Roberta Golinkoff.

  •  Jeffrey Trawick-Smith ist Vorsitzender des Zentrums für Frühkindliche Erziehung an der Eastern Connecticut State University, das er betreibt.
  • Roberta Golinkoff ist Direktorin eines Sprachprojektes für Kinder an der Universität von Delaware und außerdem Autorin von 12 Büchern.

Spielen sollte freiwillig und aus eigenem Antrieb erfolgen – und natürlich sollte es Spaß machen. Laut Trawick-Smith und Golinkoff handelt es sich dann um Freies Spielen, wenn Kinder ihre eigenen Ideen im Spiel umsetzen und auch ihr Verhalten selbst regulieren. Da kann es auch einmal zu Situationen kommen, die zu Problemen mit den Eltern oder anderen erwachsenen Personen führen. Zum Beispiel ist es für Kinder spannend und lustig, über den Zaun des Nachbarn in dessen Garten zu klettern, dieser jedoch könnte darüber weniger erfreut sein.

Beim angeleiteten Spiel gibt es Interaktion mit einer erwachsenen Person, die z.B. Ziele vorgibt. Auf jeden Fall wird das selbstgeleitete Spiel der Kids hier unterstützt, freies Spielen ist das aber nicht mehr. Diese Art des Spielens hat natürlich ihre Berechtigung, trotzdem ist das Freispiel die wichtigste Form des kindlichen Spielverhaltens. Kinder können dabei ihr Leben und ihr Verhalten selbst regulieren und ihre Anliegen ausdrücken.

Freies Spielen: Verstecken!

Kinder spielen verstecken

Binden – ja, Anbinden – nein

Freies Spielen bietet Kindern viele Vorteile und hat echten Nutzen, was vor allem beim Eintritt in die Schule eine Rolle spielt.

„Die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und das eigene Verhalten zu regulieren, wenn man mit Gleichaltrigen interagiert, ist wirklich wichtig“, sagt Trawick-Smith.

Beim freien Spielen werden zusätzlich soziale Fähigkeiten und verbale Fertigkeiten trainiert. Bereits im Vorschulalter können Kinder starke Verbundenheit mit Gleichaltrigen im gemeinsamen Spiel aufbauen. So können sie schon früh erkennen, wie wichtig Zusammenarbeit und Gemeinschaft ist.

Eine Studie über den Zeitraum eines Jahres hat gezeigt, dass Kinder, die sich mit Bausteinen zum kreativen Bauen beschäftigen, am Ende des Jahres über fortgeschrittenes mathematisches Verständnis verfügten.

Bei einer anderen Studie wurde wiederum ein Zusammenhang zwischen dem Spielen von Videogames und einer verbesserten Hand-Auge-Koordination festgestellt. In jeder Phase hilft freies Spielen den Kindern, mehr über sich selbst und ihre Umwelt zu lernen, was ohne Zweifel gut ist.

Mehr freies Spielen in Kindergarten und Volksschule

Man könnte meinen, Kindergärten waren dazu da, freies Spielen zu fördern. Leider sieht das in der Praxis meist anders aus, sofern man nicht in Finnland lebt (oder sein Kind in eine waldorfpädagogisch-orientierte Einrichtung gibt).

„Ich würde die Kindergärten gerne davon befreien, derart akademisch vorzugehen. Auch die Grundschule sollte ein Ort sein, der Freude am Spiel zulässt – im Unterricht und auch in Programmen am Nachmittag. Es sollte auch dort mehr geben als nur stilles Arbeiten am Platz“, berichtet Trawick-Smith. „Im Alter von 5 Jahren verbringt man seine Zeit besser mit Holzblöcken. Das macht mehr Sinn.“

Trotz der bewiesenen positiven Effekte des freien Spielens in jedem Alter, hat sich die Erziehung und der Unterricht in der Grundschule zu etwas sehr Akademischem entwickelt – mit nachgewiesenen negativen Konsequenzen.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2011 hat bestätigt, dass ein Mangel an Spiel zu einer Abnahme an Kreativität um 25 Prozent führt. Außerdem nimmt Angst bei Schulkindern zu, wenn sie zu wenig spielen. Dies hat eine Studie aus dem Jahr 2014 gezeigt.

Spielen darf einfach sein

Wie soll eine vielbeschäftigte Familie nun mit diesen Tatsachen umgehen? Expertin Golinkoff meint, man sollte die Angelegenheit nicht unnötig kompliziert machen.

„Gib Kindern Blöcke, Puzzlespiele und einfach die Gelegenheit zu spielen – und sie werden es tun. Es passiert einfach“, sagt sie.

Das Schlüsselwort dabei lautet „Gelegenheit“. Es ist nicht nötig, Kindern jeden Schritt ihres Weges zu zeigen, oft brauchen sie nur die Chance, ihre eigene Wahl zu treffen und selbst zu entscheiden, was sie wirklich wollen. Wie Golinkoff sagt: „Kinder müssen sich auch manchmal langweilen“. Das trifft vielleicht auch auf Erwachsene zu.

Tablets und Computer sind keine Feinde

Freies Spielen am Computer

Kinder gewinnen ein Computerspiel

Trawick-Smith führt jährlich eine Spielzeugstudie durch und hat sich mittlerweile auch mit Apps bzw. Spielen am Tablet und dem PC angefreundet. Er meint, dass viele Angebote, die sich der Erziehung oder Bildung verschreiben, ihrem Anspruch oft nicht gerecht werden. Abgesehen davon muss nicht jede App bilden. „Es darf auch einfach nur Spaß machen. Beim Spielen geht es um das Entdecken der eigenen Welt“, erklärt Trawick-Smith. Kinder können am Computer auch kreativ sein und sich nicht nur mit der Lösung eines einzigen Problems beschäftigen. Apps sind weder böse noch gefährlich für Kinder, Eltern und ErzieherInnen sollten nur darauf achten, womit Kinder spielen und in welchem Ausmaß dies geschieht.

Überforderung in der Freizeit

Vielen Kindern bleibt in ihrer eigentlich freien Zeit keine Zeit zum Spielen mehr, da sie vom Sport- zum Musikunterricht hetzen und anderen Zusatz- und Freizeitaktivitäten nachgehen.

Bereicherung und Förderung von Anlagen und Interessen ist von den Eltern gut gemeint, aber manchmal führt zu viel Aktivität nur noch weiter weg von der freien Zeit der Kinder. Diese brauchen sie aber für ihr Spiel. Das bestätigt auch Trawick-Smith: laut einer Studie aus dem Jahr 2009 haben Kinder 12 Stunden Freizeit pro Woche eingebüßt, was einem Rückgang von 25 Prozent entspricht. Außerschulische Aktivitäten bringen auch unbeabsichtigte Folgen mit sich. „Wenn das ältere Kind mit dem Auto von A nach B gebracht wird, besteht die Freizeitwelt für jüngere Geschwister, die mitfahren, nur aus Autofahrten und dem Sitzen im Auto“, meint Autorin Golinkoff.

Fazit

Manchmal ist weniger einfach mehr. Kinder brauchen Zeit, um einfach frei spielen zu können. Wenn dies im Kindergarten und in der Schule nicht geschieht, so sollte auf jeden Fall in der Freizeit ausreichend Möglichkeit dafür geschaffen werden.

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